Netzwerk der Engagierten für MG

Auf dem Workshop zur Vernetzung bürgerschaftlichen Engagements am Wochenende hat sich aus meiner Sicht eines gezeigt: Initiativen und Vereine haben einen Bedarf sich zu vernetzen, zu koordinieren, Informationen auszutauschen und bei bestimmten Themen gemeinsam gegenüber bspw. der Stadt aufzutreten.

Das Prinzip dieser Zusammenarbeit lässt sich am besten mit einem „T“ verdeutlichen: Jede Initiative oder Verein macht sein Ding und seine Arbeit – das ist der horizontale, stehende Teil des „T“. Ein Netzwerk würde für diesen Teil auch keine „Vorgaben“ machen, es geht nicht darum, einem Verein zu sagen, was er tun und lassen soll. Das kam in der Diskussion kurz auf, darum erwähne ich es hier nochmal ausdrücklich. Ein Netzwerk könnte allerdings Empfehlungen aussprechen (bspw. Vereine im Netzwerk sollten bei Veranstaltungen auf schonenden Umgang mit Ressourcen etc. achten und dazu Wissen zur Verfügung stellen).

ABER: die eigentliche Aufgabe eines Netzwerks liegt im waagerechten Teil des „T“. Was könnte da ein Netzwerk leisten? Ich denke, es geht darum, das Wissen und die Erfahrung aller für alle nutzbar zu machen und unsere Arbeitszeit und Ressourcen clever aufzuteilen. Mal ein paar Beispiele.

Förderung und Geld: Wir alle suchen danach. Das Netzwerk könnte sich dieser Aufgabe annehmen und eine Arbeitsgruppe aus ein paar Leuten gründen, die mal das Web und andere Quellen durchforsten und die eine Infoseite zusammenstellt. Wir haben das mit flux-mg mal im Kleinen gemacht – das ist aber nichts im Vergleich zu dem, was gehen könnte (siehe Vortrag der Montag Stiftungen auf dem Workshop).

Erfahrungs- und Wissensaustausch: Bspw. welche Töpfe hat die Stadt MG gerade ausgeschrieben, um Projekte zu fördern? Einige wissen es, andere nicht. Ein kurzer Blog zu dem Thema würde die Info für viele verfügbar machen. Manchmal hilfst du mit einer Info, die du findest, anderen, manchmal helfen andere dir: Kooperation keine Konkurrenz. Anderes Beispiel: jemand will ein Straßenfest organisieren. Was brauche ich an Genehmigungen, wie macht man xyz, muss ich mich als Veranstalter versichern? Das Netzwerk könnte eine Datenbank haben oder einen einfachen eMail-Verteiler oder einen twitter # der Leute mit Erfahrung und Leute, die was machen wollen, zusammenbringt. Es gibt sicherlich zahllose Beispiele, bei denen geteilte Infos einen Mehrwert für alle bringen würden (Bsp. das leidige Thema Recht und Steuern, Vorschriften, etc.)

Gemeinsame Werbung für Veranstaltungen, gemeinsame Nutzung von Wissensträgern: einen Ort, an dem jeder auf seine Veranstaltungen aufmerksam machen kann. Die Möglichkeit Experten zu teilen – jemand hat einen Experten zum Thema „Vereine und Haftung“, „Orga von Veranstaltungen“, „Förderanträge richtig ausfüllen“, etc. organisiert, dann kann er/sie die Veranstaltung allen zur Verfügung stellen. Aufwand für die Orga ist eh geleistet, warum dann nicht allen zur Verfügung stellen?

Gemeinsame Interessensvertretung (letztes Beispiel): Die Sportvereine der Stadt schaffen es ja auch – und treten gemeinsam auf, um mehr Hallenzeiten, Sportanlagen, etc. zu fordern. Wir haben intensiv über das Thema Räume gesprochen. Eine „Plattform“, die Leerstände transparent macht, deren Besitzer sich eine Zwischennutzung vorstellen können, lässt sich nur gemeinsam aufbauen. Und es ist egal, ob die Initiativen Räume suchen, um Lesungen zu machen, Kunst-Workshops oder Infoveranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit zu veranstalten – da soll jeder sein Ding machen – das Netzwerk unterstützt nur beim Finden der Ressource. Das Netzwerk könnte auch als Stimme auftreten, die Initiativen und Vereinen vertritt, die eben nicht Sport, Politik und sonstige gut etablierte Interessen verfolgen, sondern die den Leuten eine Stimme gibt, die – nennen wir es mal sozio-kulturell – unterwegs sind und die manchmal für Entscheidungsträgerinnen und Stadtverwaltung schwer fassbar sind. Ein Beispiel: Viele Städte sind schon seit längerer Zeit im Bereich Wikipedia Open Data unterwegs – also die freie Verfügbar- und Nutzbarkeit von – meist öffentlichen – Daten. Da entstehen extrem Interessante Projekte – auch im Bereich Raumnutzung. Eine gemeinsam formulierte Position dazu hätte sicherlich mehr Gewicht als Einzelmeinung. Den Nutzen von Open Data hätten dann viele.

Die Idee eines Netzwerks und die positiven Effekte für die Stadt waren für flux-mg die Motivation, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Wir haben vor einem Jahr auf einem Workshop der Montag-Stiftung Urbane Räume gemerkt, dass es sehr hilfreich sein kann, von anderen Projekten und Macherinnen und Machern zu lernen. Diesen Effekt wollen wir nach Mönchengladbach tragen. Ob das am Ende Lokalkolorit heißt oder Netzwerk bürgerschaftliches Engagement oder blauer Vogel mit gelben Füßen, ist uns total egal.

Wir von flux-mg denken, dass es einen Zusammenschluss von gleichgerichteten Initiativen und Vereinen geben sollte, die sich untereinander unterstützen und koordinieren. Bleibt die Frage zu klären, was bedeutet „gleichgerichtete Interessen“. Mhh, ja das ist ein Brett, das es zu bohren gilt. Ich denke aber, dass eine Diskussion dazu zeigen wird, dass es viele Initiativen und Vereine in Mönchengladbach gibt, die ähnlich ticken… Der Start von Lokalkolorit ist da ein Anfang. Mein Verständnis aus den Diskussionen mit den Macherinnen und Machern ist, dass sie prinzipiell offen sind und die Diskussion um, „was sind Interessen, die wir gemeinsam haben“, gerade führen. Ich halte das für einen guten Start und eine gute Initiative für die Stadt. Jede Initiative und Verein, die am Workshop teilgenommen hat, sollte sich überlegen, ob sie Teil dieser Diskussion sein wollen.
Am Ende eint viele von uns ein Gedanke:

Zivilgesellschaftliches und ehrenamtliches Engagement ist kein Sahnehäubchen, sondern so etwas wie die Hefe im Teig der Gesellschaft.

(leicht abgeändert und geklaut von Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes)

Über Mark Nierwetberg 9 Artikel
Mark wohnt seit 2010 in Mönchengladbach. Er ist in der Nähe von Mönchengladbach groß geworden und hier zur Schule gegangen. Nach 10 Jahren in anderen Städten hat es ihn wieder in die Vitusstadt geweht.

1 Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Nierwetberg,
    wie Recht Sie haben ! Ich las Ihren Artikel in der RP am 29.7.
    Ich würde mich gerne beteiligen oder einbringen, und bitte Sie, mich zu kontaktieren.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Oda Walendy

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