Workshopbericht: Bürgernetzwerk MG

Einige Mönchengladbacher meinen, ihre Stadt sei eine dieser „jeder-kennt-jeden-Städte“.  Der Workshop „Bürgernetzwerk MG – Bürger gestalten ihre Stadt“ am Wochenende organisiert von flux-mg, Waldhaus 12 e.V. und freeflow e.V. in Kooperation mit der VHS Mönchengladbach und der Montag Stiftung Urbane Räume zur besseren Vernetzung von bürgerschaftlichem Engagement zeigte jedoch anderes. Einige der Anwesenden und Initiativen erfuhren dort zum ersten Mal voneinander.

Ablauf:

Dank der Vorstellungsrunde und dem gemeinsamen Essen war schon am Freitagabend viel Raum, um sich kennen zu lernen und auszutauschen. Bereits damit hätte der Workshop mit einem kleinen Erfolg beendet werden können, aber es ging ja noch weiter…

Am Samstagvormittag wollten wir dann zunächst aufzeigen, welche Unterstützungsangebote für Initiativen bereits in der Stadt bestehen. Daher hatten wir vier Expertinnen eingeladen, die ihre jeweiligen Institutionen vorstellten und auch, was sie als Ressourcen für die zivilgesellschaftlichen Initiativen bieten können – nach dem Motto: Einmal organsiert, von allen genutzt. So bekamen wir Einblick ins Freiwilligenzentrum der Caritas, in die Ehrenamtsarbeit der Stadt MG und in das Angebot des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Zu Letzt informierte die Montag Stiftung Urbane Räume über bundesweite Fördermittel.

Danach ging es in die Arbeitsphase. Bereits seit Freitagabend wurden Fragen gesammelt, die dann im Laufe des Workshops zu Themenkomplexen zusammengefasst und in kleineren Gruppen moderiert diskutiert wurden:

Neue verbündete/Gemeinsam stark sein:

Fragestellungen:

Die Fragen zu diesen Themen waren: Wie schaffen wir es, Nachwuchs und interkulturelle Bündnisse anzusprechen und diese eventuell in ein gemeinsames Bündnis einzubeziehen? Und wie können wir uns besser vernetzten, uns besser positionieren?

Ergebnisse:

Dazu entstand die Idee einer gemeinsamen Interessensvertretung: Da könnten die Sportvereine der Stadt Vorbild sein: sie treten gemeinsam auf, um ihren Forderungen stärkeres Gewicht zu verleihen. Solch ein Sprachrohr vertritt die Initiativen und Vereinen, die weniger gut etablierte Interessen verfolgen und wird somit für Entscheidungsträgerinnen und Stadtverwaltung besser sichtbar. Diese Idee eines Bündnisses haben Waldhaus 12 e.V. und freeflow e.V. unterstützt von kulturkram e.V. und „lokalkolorit“ genannt. Diese Idee haben sie den Teilnehmern der Veranstaltung vorgestellt. Eine wichtige Frage, die alle aus diesem Workshop mitgenommen haben ist die, wie weit möchte und kann man sich öffnen und ab wann wird es eine diffuse Masse, in der man sich verliert oder aufreibt. Die Initiatoren und auch weitere Interessierte wollen sich in einem weiteren Treffen mit dieser Frage noch eingehend beschäftigen.

Förderung und Geld:

Fragestellungen:

Die Akquirierung von Geld interessiert jede Initiative. Fragen dazu waren: Welche Töpfe hat die Stadt Mönchengladbach gerade ausgeschrieben, um Projekte zu fördern? Wie kann man die Suche nach Fördergeldern und Antragsstellungen teilen und Zeit und Energie sparen?

Die Ergebnisse:

Die Lösung könnte ein Zusammenschluss oder Netzwerk sein, der/das sich dieser Aufgabe annimmt und eine Arbeitsgruppe gründet, welche das Web und andere Quellen durchforstet und die Ergebnisse auf einer Infoseite zusammenstellt.

Erfahrungs- und Wissensaustausch:

Fragestellungen:

Dabei ging es um Fragen wie: Wen können wir fragen, wenn man selber nicht weiter weiß (z.B. Genehmigungen)? Wie kann ich mein Wissen für andere bereitstellen?

Ergebnisse:

Ein gemeinsam gepflegter Blog ggf. mit Datenbank könnte diese Infos für alle bündeln und verfügbar machen, Checklisten bereitstellen und gute Ansprechpartner benennen. Auch ein einfacher eMail-Verteiler oder einen twitter #, könnte Leute mit Erfahrung und Leute, die was machen wollen, zusammenbringen.

Auch haben wir intensiv über das Thema Zwischennutzung gesprochen: Eine „Plattform“, die Leerstände transparent macht, deren Besitzer sich eine Zwischennutzung vorstellen können, ließe sich gemeinsam aufbauen. Als Gerüst könnte man hier die Idee von Provisorium aufgreifen, in ein Netzwerk einbinden und gemeinsam nutzen. Es gab zahllose Beispiele, bei denen geteilte Infos einen Mehrwert für alle bringen würden (Bsp. das leidige Thema Recht und Steuern, Vorschriften, etc.)

Außerdem könnte ein digitaler Ort, an dem jeder auf seine Veranstaltungen aufmerksam machen kann etabliert werden. Die Umsetzung wollen Gero Graf, Mark Nierwetberg und Stefan Sturm besprechen und sich dafür auch mit lokalkolorit zusammensetzen.
In diesem Zusammenhang entstand auch die Idee, sich gemeinsame Beratung zu organisieren. So muss sich nicht jede Initiative einen Experten z.B. zum Thema „Vereine und Haftung“ organisieren, sondern der Berater könnte gleich mehrere Initiativen zu einem Oberthema beraten. Das spart Zeit und Kosten. Ein weiterer wichtiger Punkt um die Idee weiterzutreiben sind physische Treffen, abseits des Cyberspaces. Nur so lernt man sich näher und besser kennen und verstehen. Aus diesem Grund soll einmal im Monat eine Art Runder Tisch stattfinden, zudem neue Gruppen zwanglos dazukommen können und eventuell jeder ein konkretes Projekt vorschlagen kann. Im Idealfall finden sich dann Mitstreiter.

Fazit

Auf dem Workshop zur Vernetzung bürgerschaftlichen Engagements hat sich klar gezeigt: Die Initiativen und Vereine der Zivilgesellschaft haben einen Bedarf sich zu vernetzen, zu koordinieren, Informationen auszutauschen und bei bestimmten Themen gemeinsam aufzutreten. Das Prinzip dieser Zusammenarbeit lässt sich gut mit einem Dach, welches von verschiedenen Säulen getragen wird erklären: Jede Initiative oder Verein macht ihre individuelle Arbeit. Organisationen, die gleiche Themenschwerpunkte haben bilden zusammen eine Säule, z.B. sozio-kultur, Nachhaltigkeit oder Kunst. Die Aufgabe eines Netzwerks – und damit seine Stärke – liegt im oberen Teil, also dem „Dach“: Das Dach kann das Verteilen von Wissen koordinieren, organisiert und ist Ansprechpartner nach innen und außen. Anfragen werden an die Säulen oder direkt an Vereine weitergegeben. Es geht darum, das Wissen und die Erfahrung aller für alle nutzbar zu machen und unsere Arbeitszeit und Ressourcen clever aufzuteilen und zwar nur da, wo es Sinn macht. Daran werden wir weiterarbeiten, denn am Ende einte viele von uns ein Gedanke:

„Zivilgesellschaftliches und ehrenamtliches Engagement ist kein Sahnehäubchen, sondern so etwas wie die Hefe im Teig der Gesellschaft.“ (leicht abgeändert und geklaut von Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes).

Unser Dank gilt auch der VHS Mönchengladbach und der Montag Stiftung Urbane Räume für die Unterstützung dieses Workshops.

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