Die Sicht eines Immobilienmaklers

Frank Mund
Frank Mund

Weniger Emissionen wären gut für die Stadt, aber auch die Innenstadt braucht Mobilität! Vor allem braucht die City urbanes Flair 

Eine Perspektive von Frank Mund (48 Jahre, Dipl.-Kaufmann, Inhaber des gleichnamigen Immobilienberatungsunternehmens in MG-Wickrath). Er ist seit 21 Jahren als Immobilienmakler in der Region tätig und zurzeit Präsident des Marketingclubs Mönchengladbach.

In Mönchengladbach werden zurzeit viele Weichen für die Zukunft des urbanen Zusammenlebens gestellt. Blaue Fahrradroute durch die Stadt, Reduzierung des Busverkehrs auf der Hindenburgstraße, 40er Zonen auf den Hauptverkehrsachsen etc.. Ist die autofreie Innenstadt für Mönchengladbach ein anzustrebendes Ziel, wie in einigen andere Kommunen schon angedacht? Wie würde sich ein solches Szenario auf die Immobilienpreise in der Innenstadt auswirken?

Spannungsfeld zwischen Belastung durch Verkehr und Komfort

Zur Beantwortung dieser Fragen gilt es zunächst das Spannungsfeld darzustellen. Auf der einen Seite steht der sicher durch alle Einwohner der City befürwortete Wunsch, die Geräusch- und Geruchsemissionen durch den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. Der Ausbau der Fahrradwege und die Förderung des Personennahverkehrs sind Vorhaben, die breite Zustimmung finden.  Wäre die Konsequenz allerdings, den großen Wochenendeinkauf mit dem Bus oder womöglich sogar zu Fuß vom nächsten Einkaufsmarkt nach Hause tragen zu müssen, wie viele Befürworter verkehrsberuhigter oder sogar autofreier Innenstädte blieben übrig?

Die Lösung kann nur eine Mischung aus beidem sein. Die Ausweitung des Fahrradwege-Netzes in der Innenstadt ist zwingend notwendig. Die Förderung emission-armer Verkehrsmittel wie E-Bikes, E-Busse oder vielleicht E-Taxis, steigert die Wohnqualität in der City. Die gute Erreichbarkeit des Innenstadtkerns über Hauptverkehrsachsen, muss weiter gewährleistet werden, damit externe Besucher gerne nach Mönchengladbach kommen und die urbanen Einwohner das Leben und die Erreichbarkeit ihres Standortes als positiv empfinden. Der motorisierte Individualverkehr abseits dieser Hauptverkehrsachsen sollte jedoch den Anwohnern vorbehalten werden.  Anwohnerstraßen bieten den dort wohnenden Menschen alle Möglichkeiten ihren Tagesablauf bequem zu gestalten. Ausgedehnte Grünzonen sind dabei für das Wohlbefinden der dortigen Bewohner und somit auch für die Immobilienpreise dieser Quartiersstandorte enorm wichtig. Schaut man sich bereits heute die attraktiven Wohnquartiere in der Innenstadt an, so liegen z.B. das Gründerzeitviertel um den Adenauerplatz oder den Schillerplatz, oder auch die Brucknerallee mit Ihrem begrünten Fußgängermittelstreifen ganz weit vorne. Dagegen gelten, die nicht weit entfernten Verkehrsadern Bismarckstraße und Friedrich-Ebert-Straße als weniger attraktive Wohnstandorte.

Urbanes Leben in der City braucht Angebote

Noch viel wichtiger für die Immobilienpreise in der Innenstadt ist jedoch, dass die Funktion der City gestärkt wird. Urban orientierte Menschen möchten ein reichhaltiges Kulturprogramm vorfinden,  ein reichhaltiges,  gastronomisches Angebot nutzen und soziale Einrichtungen und Einkaufsmärkte auf kurzem Wege erreichen können.  Die zunehmende Nutzung von Online-Händlern, wie Amazon, Zalando und dergleichen, erfordert gravierende Veränderungen und modifizierte Geschäftsmodelle des stationären Einzelhandels.

Verkehrsberuhigte Wohnquartiere, begrünte Hauptverkehrsachsen, ausgebaute City-Fahrradrouten, die optimierte Ausnutzung von Fahrzeug-Kapazitäten und eine an Attraktionen reiche City-Meilen wie die Hindenburg- und Stresemannstraße mit zahlreichen Straßen-Cafés und begrünten Verweilplätzen, sind ein Garant für die Wertstabilität der Innenstadtimmobilien.

Gar kein Auto in der City? Schwer vorstellbar!

Eine komplett autofreie Innenstadt jedoch ist auf absehbare Zeit für Mönchengladbach nur schwer vorstellbar und würde nach meiner heutigen Einschätzung die Attraktivität des Standortes eher mindern. Verkehrsberuhigte Zonen innerhalb der City sind dagegen auf jeden Fall wünschenswert, da Sie ein wichtiges Merkmal für die Exklusivität eines positiv besetzten urbanen Standortes sind.

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