Die Sicht des Oberbürgermeisters

OB Reiners
OB Reiners

Die Welt verändert sich schnell: Aber individuelle Mobilität wird bleiben! Aber auch wir müssen über auto-reduzierte Innenstädte nachdenken

Hans Wilhelm Reiners (Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach, CDU). Er ist seit dem 23. Juni 2014 Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach. Reiners ist unter anderem auch  Präsidiumsmitglied des Deutschen Städtetages und  Vorstandsmitglied des Städtetages Nordrhein-Westfalen. Seine Sicht auf das Thema.

Weil es besser passt, sprechen wir einmal von elf statt zehn Jahren. In der Rückschau also vom September 2006 und in der Vorschau vom September 2028. 2006: Smartphone? Kaum jemand wusste eine Antwort auf die Frage, was das ist. Und erst recht war unvorstellbar, was heute – elf Jahre später – mit solchen Geräten möglich ist. 2028: Autofreie Innenstädte in Mönchengladbach und Rheydt? Unvorstellbar. Unvorstellbar?

Die Welt verändert sich schnell: Aber individuelle Mobilität wird bleiben!

Der Vergleich zwischen Smartphone und Auto mag hinken, aber er macht ein wenig deutlich, mit welcher Geschwindigkeit sich die Welt heutzutage verändert. Deutlich verändern werden sich, davon bin ich überzeugt, auch das Mobilitätsverhalten der Menschen und die Antriebstechnik von Fahrzeugen. Die Frage ist, ob die Veränderungen so schnell eintreten werden, dass autofreie Innenstädte in Mönchengladbach schon 2028 Realität sind? Meine Einschätzung: nein. So schnell wird es nicht passieren, dass das Auto seinen Status als Ausdruck individueller Mobilität und Transportmittel Nr. 1 verliert. Die Vorstellung, diese Situation mit Vorschriften verändern zu können, halte ich für falsch, solange sich nicht klare Mehrheiten dafür finden lassen, die zu solchen Vorschriften stehen würden. Um das zu erreichen, bedarf es vor allem mühsamer Überzeugungsarbeit, die nach meiner Vorstellung vor allem die positiven Aspekte eine (Teil-)Verzichts auf das Auto herausstellen muss: weniger Lärm, sauberere Luft, weniger Verkehrsunfälle.

In größeren Städten als Mönchengladbach ist der Druck, den Autoverkehr zu reduzieren, schon heute so groß, dass die Menschen aus Einsicht handeln. Freunde in Berlin zum Beispiel haben, auch wenn sie skeptisch waren, das eigene Auto abgeschafft, nutzen jetzt Carsharing, ÖPNV und Fahrrad – und kommen gut zurecht. Im „Autoland“ USA werden in großen Städten Autofahrspuren zu „Bike Lanes“ gemacht. Vom Status „autofrei“ sind solche Städte damit allerdings auch noch meilenweit entfernt.

Autoreduziert statt autofrei!

Wenn wir für die Innenstädte in Mönchengladbach und Rheydt mehr (Lebens-)Qualität erreichen wollen, sollten wir Schritt für Schritt vorgehen. Autofrei mag ein Ziel sein, das sich eines Tages erreichen lässt. Autoreduziert ist für mich aber ein auch ein (Zwischen-)Ziel, für das es sich einzusetzen lohnt.

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