Die Perspektive des City-Managements MG

Stefan Wimmers
Stefan Wimmers

Eine smarte City könnte mit ÖPNV und neuen Antrieben individuellen Verkehr und Mobilität verbinden 

Stefan Wimmers (Vorsitzender Citymanagement Mönchengladbach). Stefan Wimmers ist Rechtsanwalt und Hochschuldozent im Studiengang Wirtschaftsinformatik, seit 2008 ist er Vorsitzender des City-Managements MG, von 1999-2004 war er Bezirksvorsteher City.

Die aktuelle Diskussion ist meines Erachtens zu sehr geprägt vom Schwarz-Weiß-Denken Auto gegen Fahrrad und ÖPNV (Öffentlicher Personen Nahverkehr). Bei allen Theorien darf die Praxis und die davon abhängigen Begleitumstände nicht außer Betracht geraten.

Die Grenzen des Fahrrads bedenken & Superluxusausbau des ÖPNV andenken!

Das Fahrrad ist ein tolles und maximal flexibles Fortbewegungsmittel in einer Innenstadt. Es findet jedoch dann seine Grenzen, wenn es um Transporte geht. Eine weitere Grenze ist dann erreicht, wenn der Nutzer im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit mehrere Wege am Tag zu absolvieren hat in Verbindung mit Terminen, etc., die es rein zeitlich zulassen, mit dem Fahrrad durchgeführt werden zu können. Insoweit kommt das Fahrrad vor allen Dingen für die in Betracht, die zweimal am Tag das Fahrrad zwischen Heim und Arbeitsplatz benötigen bzw. zeitlich ungebunden Besorgungen zu erledigen haben, ohne dabei auf Transporte Rücksicht nehmen zu müssen.

Der ÖPNV ist meines Erachtens die stärkste Säule. Alle Großstädte mit gut ausgebauten U-Bahnen und Straßenbahnen bereuen ihre getätigten Investitionen aktuell nicht. Diesbezüglich ist in Mönchengladbach im wahrsten Sinne des Wortes der Zug abgefahren. Was bleibt ist ein konsequenter Ausbau des ÖPNV. Die aktuelle Beschlusslage sieht jedoch Gegenteiliges vor. Im zurückliegenden Diskussionsprozess hat sich die Auffassung in der Politik durchgesetzt, die goldene Mitte zu beschreiten. Meines Erachtens wäre ein Superluxusausbau des ÖPNV maximal zukunftsfähig.

Nur im Fall perfekter ÖPNV-Verbindungen käme es für eine Menge Menschen mehr in Betracht als zum heutigen Zeitpunkt, diesen auch zu nutzen. Der Umstieg vom Auto zum ÖPNV muss den Menschen nahe gebracht werden durch damit verbundene Vorteile. Es hilft meines Erachtens nicht, den Menschen durch Wegnahme von Parkraum, etc. zu erziehen. Der Effekt wäre meines Erachtens eine noch schnellere Verödung der Innenstädte, als dies im Zuge der Online-Handelsaktivitäten ohnehin der Fall ist.

Neue – emissionsfreie – Motoren ändern die Fragestellung.

Darüber hinaus wird in der aktuellen Situation die Diskussion vollkommen außer Betracht gelassen, dass der aktuelle Zustand auf den Straßen sich in sehr absehbarer Zeit ohnehin im Rahmen der Digitalisierung komplett verändern wird. In Düsseldorf ist die erste Strecke für autonom fahrende Fahrzeuge zu Testzwecken freigegeben worden. Die nächste und übernächste Generation von Mikroprozessoren wird im Laufe von maximal 10 Jahren zu einer Beschleunigung von Rechnerleistungen in einem Volumen von mindestens Faktor 10 mit entsprechenden exorbitanten Möglichkeiten einhergehen. Parallel dazu wird das Thema der Unabhängigkeit von verbrennungsfreien Motoren in Fahrzeugen Platz greifen und zu einer völlig veränderten Situation in der Stadt führen. Es wird leiser und sauberer. Es wird demnächst als selbstverständlich betrachtet werden, von einem selbstfahrenden Fahrzeug (ohne Fahrer) chauffiert zu werden; und zwar emmissionsfrei. Diese Fahrzeuge werden Platz benötigen. Es ist insoweit kontraproduktiv, heute zu Lasten des Individualverkehrs zu planen, wenn wir ihn – wenn auch in anderen Formen – demnächst wieder wollen.

Meines Erachtens würde es mehr Sinn machen, sich heute mit den Realitäten der Jahre 2025 bis 2030 auseinanderzusetzen und auf dieser Grundlage zu planen, statt in festgefahrenen altbackenen Mustern zu verhaften. Die SMART-CITY muss das Ziel sein. Zur Fragestellung: Eine autofreie Innenstadt kann es geben. In diesem Zusammenhang würde es sich jedoch nicht mehr um eine Innenstadt handeln, wie wir sie heute definieren. Zumindest würde ein nennenswerter Handel dort nicht mehr stattfinden.

2 Kommentare

  1. ..sie möchten Experten aus der Automobilbranche wohl nicht in das Thema einbinden? Eigentlich schade, wo doch gerade dort die grundlegenden Fragen längst erörtert werden.

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