Autofreie Innenstadt in Mönchengladbach und Rheydt? Eine Debatte

In welcher Stadt wollen wir leben? Autofreie Innenstadt in Mönchengladbach und Rheydt? Wollen wir das?

Der Dieselskandal und die dauernde Diskussion über Feinstaub und Gesundheitsbelastungen in den Innenstädten, führt an vielen Stellen zu einem Umdenken. Wie viel Individualverkehr via Auto können die Innenstädte in Zukunft verkraften? fluxMG hat anlässlich der Europäische Mobilitätswoche (16. bis 22. September) das Thema in Form einer Debatte aufgenommen: „10 Jahre in die Zukunft gedacht: Autofreie Innenstadt in Mönchengladbach und Rheydt? Wollen wir das?“ haben wir gefragt. Geantwortet haben:

  • Hans Wilhelm Reiners, Oberbürgermeister von Mönchengladbach
  • Dirk Rheydt, Vorsitzender des ADFC Mönchengladbach
  • Stefan Wimmers, Vorsitzender des Citymanagements Mönchengladbach
  • Frank Mund, Präsident des Marketingclubs Mönchengladbach und Immobilienmakler
  • Norbert Krause, Konzeptkünstler aus Mönchengladbach
  • Jan Schnettler, Redakteur der Rheinischen Post Mönchengladbach.

Die Beiträge zeigen: Alle wollen weniger Emissionen und Lärm in den Städten – das Auto ist vom liebsten Kind der Deutschen, so scheint es, zum Schmuddelkind geworden. Aber kaum einer will es so ganz vom Hof jagen. Zumal fast alle Autoren auf die Zukunft der Elektro-Mobilität setzen. Aber der Tenor vieler Beiträge ist auch: Wir brauchen mehr alternative Verkehrsmittel und besseren öffentlichen Personennahverkehr. Stellvertretend mag die Sicht von Dirk Rheydt vom ADFC MG gelten, der zwar der festen Überzeugung ist, dass auch in Mönchengladbach holländische Verhältnisse möglich sind, sich aber bewusst ist, dass dies noch einige Jahrzehnte dauern wird.

Die Idee der autofreien oder auto-reduzierten Stadt scheint keine spinnernde Utopie mehr. Das manager-magazin hat eine Liste von 11 Metropolen zusammengestellt, die heute anfangen ihre Zukunft auto-frei oder zumindest auto-reduziert zu denken. Dabei geht es nicht um Pläne von heute auf morgen, sondern um die langfristige Ausrichtung auf zehn bis 15 Jahre.

Das Wuppertal Institut hat Mitte August mit einem Positionspapier für Aufsehen gesorgt, das den Wuppertaler Stadtteil Elberfeld mit rund 39.000 Einwohnerinnen und Einwohnern autofrei konzipiert. Stattdessen sollen Straßen und Bereiche für Fußgängerinnen und Fußgänger, Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer, für Busse und umweltfreundliche Ver- und Entsorgungsfahrzeuge wie z.B. die Müllabfuhr entstehen – so eine Art Fußgängerzone im Wohnbereich. Die Fußgängerzonen, die es heute schon in Elberfeld gibt, sollen wesentlich ausgeweitet werden.  „Diese Vorstellung ist so normal wie verwegen“, schreibt das Institut in seinem Konzept. Wie denkt Mönchengladbach über diese Herausforderung der Zukunft?

Wird es Zeit für Mönchengladbach und Rheydt auch einmal in diese Richtung zu denken?

Beteiligt euch an der Debatte – Kommentare und Anregungen willkommen. Unter den Beiträgen kann jeder kommentieren.

1 Kommentar

  1. Vielleicht sollte man eine Vision dieser Debatte hinzufügen: In den kommenden 10-15 Jahren wird das autonome Fahren (und wir reden von Level 5: https://de.wikipedia.org/wiki/Autonomes_Fahren) in unserem Alltag angekommen sein.

    Warum nicht die Innenstädte/Innenstadtkerne ausschließlich im Bereich des Individualverkehrs auf Level5-Fahrzeuge setzen? Einfahrt nur mit Fahrzeugen dieser Kategorie oder ÖPNV.

    Warum? Nun: Wir brauchen keine Parkplätze mehr in der Innenstadt – nur in den Vorstädten bzw. auf der grünen Wiese.
    Wir steigen aus dem Fahrzeug und weisen es an außerhalb der Stadt zu warten/parken, bis man es wieder braucht. Alternativ sind es nicht mehr „unsere“ Fahrzeuge – es sind „shared ressources“, die wir nur auf Zeit unser „eigen“ nennen können. Es läuft aber in dieser Diskussion auf dasselbe hinaus.

    Der Indivudalverkehr (wenn auch nur „gemietet“) wird bleiben und wird in den Innenstädten gebraucht – mit Level5-Fahrzeugen ist es auch kein Problem, da sie die Innenstädte nicht verstopfen. Ohne Emission (Lärm oder Abgase) fahren sie in die Stadt, entladen ihre „Fracht“ und verlassen die Stadt auf kürzestem Weg wieder. Hinzu kommt der emissionslose (wenigstens am Fahrzeug) ÖPNV, der auch ruhig durch die City gleitet.

    Diese Idee lässt sich auch mit einem gleichberechtigten Fahrrad-Verkehr ermöglichen ohne die Kapazitäten zu erhöhen. Ganz im Gegenteil: Selbst bei dem „verschnitt“ der beiden Verkehrsträger kann die Kapazität der Straßenfläche verringert werden (u.a. Parkplätze und Überkapazität der Straßen).

    Allerdings stören dann vielleicht die vielen angeketteten Fahrräder in unseren Innenstädten 🙂

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