Die Perspektive des ADFC MG

Dirk Rheydt (ADFC)
Dirk Rheydt (ADFC)

Moderne Städte brauchen mehr Fahrräder: Lasst uns an der Gleichberechtigung von Rad und Auto in MG arbeiten

Dirk Rheydt (46 Jahre, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club – ADFC – in Mönchengladbach. Er engagiert sich seit fünf Jahren für einen besseren Radverkehr in Mönchengladbach, seit April 2016 ist er Vorsitzender ADFC Mönchengladbach.

Die Anzahl der zugelassenen PKW in Mönchengladbach ist in den letzten 30 Jahren um ein viertel gestiegen (1987: 106.262 / 2017: 134.529). Hinzu kommen noch ca. 48.000 Autos, die jeden Tag berufsbedingt durch unsere Stadt rollen. bzw. Parkraum benötigen. Ich halte diese Entwicklung für besorgniserregend und bin der Meinung, dass man diesen Trend stoppen muss. Hierzu muss die Stadt gute Alternativen zum Auto schaffen und permanent daran arbeiten, den Autoverkehr zu reduzieren. Neben einem attraktiven ÖPNV (Öffentlichen Personen Nahverkehr) sollte ein gut ausgebautes Car-Sharing System nicht fehlen, damit die Bürger dazu motiviert werden, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Eine Auto-Reduzierung bedeutet u. a. mehr Lebensqualität und  Verkehrssicherheit für uns alle. Eine attraktive und wachsende Stadt ist für Investoren und junge Familien interessanter, was wiederum zu steigendem Autoverkehr führen wird.

Teile von MG autofrei sind denkbar!

Obwohl die Mobilität gerade massiv im Wandel ist, kann ich mir eine Welt ohne Autos nicht vorstellen. Dennoch sollte es durch intelligente Stadtplanung möglich sein, Teile Mönchengladbachs autofrei zu gestalten. Die Rheydter Innenstadt z. B. hat drei Parkhäuser in unmittelbarer Nähe. Warum werden die Leute mit ihren Autos in die City geführt und können dort vor der Sparkasse günstig parken? Der Widerstand der Geschäftsleute ist immens, wenn es darum geht, ihren Kunden den Weg zum Geschäft zu erschweren. Ich bin davon überzeugt, dass Kunden mehr Umsatz machen, wenn sie zu Fuß durch die Stadt gehen und im Vorbeilaufen z. B. noch eine schöne Bluse mitnehmen. Aber auch Kunden, die das Fahrrad nutzen, sind bessere Kunden als Auto-Kunden, denn sie sind  loyaler und kommen immer wieder. Ich befürchte, dass die Mönchengladbacher Politik diesem Druck nicht standhalten wird und glaube deshalb nicht daran, dass Teile unserer Stadt in zehn Jahren autofrei sein werden.

Vielmehr wird die Politik versuchen, es allen recht zu machen. Sie wird Alternativen anbieten und hoffen, dass die Menschen künftig mit dem Fahrrad oder dem Bus in die Stadt kommen werden. Diese Rechnung wird aber nur bedingt aufgehen.

Von den Niederlanden lernen: Auto und Rad gleichberechtigen!

Das aus meiner Sicht größte Potential hat der Radverkehr. Denn gerade in der Stadt ist man oftmals mit dem Rad schneller unterwegs als mit dem Auto. 55 Prozent aller zurückgelegten Wege sind kürzer als fünf Kilometer, 26 Prozent sogar kürzer als zwei Kilometer. Dabei geht es nicht darum, dem Autoverkehr etwas zu nehmen. Vielmehr ist jeder Fahrradfahrer ein Gewinn für den Autoverkehr, denn er bedeutet ein Auto weniger auf der Straße. Hierzu müssen aber die Bedingungen für den Radverkehr erheblich verbessert werden. Beispiele aus den Niederlanden zeigen, dass beides möglich ist. Hier rollt der Autoverkehr neben dem gut ausgebauten Radverkehr ohne dass der eine den anderen behindert – hier sind die Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt!

In Mönchengladbach tut sich was – mehr davon!

Die Stadt Mönchengladbach hat aus meiner Sicht mit dem „Masterplan Nahmobilität“ einen ersten großen Schritt in die richtige Richtung getan. Dieser muss nun zügig umgesetzt werden, damit die Maßnahmen schnell greifen. Die Umsetzung der „Blauen Route“ zwischen den beiden Stadtzentren ist ein weiteres wichtiges Mosaikstückchen, welches zu einem steigenden Radverkehr führen wird. Neben besseren und sicheren Radwegen kann ich mir auch ein öffentliches Fahrradverleihsystem vorstellen, welches  Fahrräder für die spontane Nutzung bereitstellt.

Ich halte es für realistisch, den Rad- und Fußverkehrsanteil in den nächsten zehn Jahre in Mönchengladbach wesentlich zu steigern. Dadurch erreichen wir zwar keine autofreien Stadtteile, animieren aber immer mehr Menschen dazu, das Auto auch mal stehen zu lassen.

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